Bezaubernde Klangfarbenpalette: Das Psalterion

Die neue CD von Maurice Steger, «Una Follia di Napoli» präsentiert die allerschönsten Klänge aus dem Süditalien des frühen 18. Jahrhunderts. Im Barockensemble spielen neben der Blockflöte und einer kleinen Streichergruppe auch zahlreiche Basso Continuo-Instrumente, so zum Beispiel je nach Besetzung und Werk Cembalo, die Orgel, Cello, Violone und Theorbe, Erzlaute oder Barock-Gitarre. Ein ganz besonderes Continuo-Instrument ist in dieser Aufnahme aber das Hackbrett, auch Psalterion genannt.

Margit Übellacker ist eine der ganz wenigen Personen auf der ganzen Welt, welche das Hackbrett in Barockensembles spielt.

«Wir wissen heute aus Quellen, dass verschiedene Hackbrettypen in der Barockmusik eingesetzt wurden. Erwähnt wird zum Beispiel das Pantaleon, ein Vorläufer des Hammerklaviers mit einem grossen Stimmumfang von 4,5 Oktaven, welches von Pantaleon Hebenstreit, einem Musiker in den Diensten der Dresdner Hofmusik-Kapelle um 1700 entwickelt wurde», erzählt Margit Übellacker über ihre Recherchen. Es liegt Musik für das Pantaleon vor, die zeigt, dass es auch als Bass-Instrument bzw. als Klangfarbe im Continuo eingesetzt wurde. Ähnliche Instrumente mit kleinerem Stimmumfang sind als Dulcemelos oder Salterio erwähnt.

Leider ist das Original-Pantaleon verschollen,  so dass es für heutige Interpreten naheliegt, mit dem modernen Hackbrett – leicht adaptiert –  das für dieses Instrument vorgesehene Repertoire zu spielen. Das benötigt viel Fingerspitzengefühl.

Margit Übelacker mit ihrem Psalterion

 

«Bei der neuen CD von Maurice Steger habe ich die gesamten Partituren studiert und mir überlegt, in welchen Passagen das Psalterion am besten zur Geltung kommt. Da es sehr viele unterschiedliche Klangfarben produzieren kann, kommt es am besten zur Geltung, wenn ich damit bestehende Akkorde ausschmücken kann oder die Bassgruppe mit den weichen oder metallischen Tönen des Psalterions harmonisch ergänze», so Margit Übellacker.

Eine grosse Rolle spielen dabei auch die Schlegel, die benutzt werden, um das Psalterion anzuschlagen. Margit Übellacker experimentiert mit unterschiedlichen Auflagen auf den Schlegeln, um dem Psalterion weichere oder metallischere Töne zu entlocken. Am meisten zum Einsatz kommen Lederarten, die auch beim Hammerklavier verwendet werden. So erscheint Margit Übellacker der Klang am authentischsten.

Ihre Liebe zum Hackbrett entdeckte Margit Übellacker bereits als Kind in Österreich. Als junge Erwachsene studierte sie das Instrument bei Karl-Heinz Schickaus in Linz und erhielt danach wichtige Impulse für ihre Arbeit in der Alten Musik an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel.

Margit Übellacker spielt das «Follia di Napoli» Programm in zahlreichen Konzerten mit Maurice Steger und ist in verschiedenen Ensembles wie L’Arpeggiata, Musica Fiorita oder ihrem eigenen Ensemble La Gioia Armonica sowie mit weiteren namhaften Künstlern wie Andreas Scholl oder Philippe Jaroussky.